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Psychologie, Traderreife und Macken
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Psychologie, Traderreife und Macken

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Psychologie, Traderreife und Macken

Hallo Traders!

Sodele, mal ein paar Worte Tacheles - sozusagen schutzschildfrei - zum Thema "Psychologie, Traderreife und Macken". Wie auch immer. Spass soll das Lesen machen, nicht nur traurig stimmen. Wenn es zum Nachdenken anregt, dann freut mich das. Wer sich outen will: bitte sehr! Zuspruch und Tipps sind jedoch genauso willkommen.

Ich fange dann mal an, einer muss ja der Erste sein. Also folgendes:

Mit dem Trading beschäftige ich mich seit circa 3 Jahren: das erste Jahr rein theoretisch und in Excel ein paar Indikatoren nachgebaut, da ich noch keinen Broker hatte, keine Handelsplattform und nichts dergleichen. Bücher über Technische Analyse und Indikatoren gelesen, mich eingearbeitet. Im zweiten Jahr bei 2 Forexbrokern Echtgeldkonten eröffnet, diese jeweils um 55-60% reduziert und gut war. Schnautze voll gehabt von Marketmakern. Und natürlich viele Fehler gemacht und auch dazugelernt - wem ging das nicht so? Mit dem Studium der Markttechnik hat dann so einiges Klick gemacht und ich habe mich auf das Wesentliche hinentwickelt: als Spirale, immer enger um das Zentrum kreisend, bis ich bei meinem Handelsstil angekommen bin. Jetzt sind das nur noch kleine Anpassungen der Parameter.

Seit 2012 habe ich ein Futureskonto, welches bisher um die Nulllinie schwankt: mal leicht drüber, mal leicht drunter. Diesen Monat werde ich positiv abschließen, und mit ein wenig Fleiß morgen auch jede einzelne Novemberwoche im Plus liegen. Und da sind wir schon ganz nahe dran an meiner Problematik:

"Selbstsabotage durch Disziplin-Einbruch im Vermeiden-Wollen der Realisierung von Verlusten".

Das trifft es wohl ganz gut.

Wenn ich mir anschaue, was ich mir - trotz einer fast durchgängig sauberen Disziplin und Umsetzung des Tradings - für Schnitzer erlaubt habe, dann tun mir diese Verluste verdammt weh. Weil ich an manchen Tagen einmal oder gar zweimal Mist gebaut habe. Das passiert mir nicht jeden Tag. Auch nicht jede Woche. Doch wenn, dann meist in Ballungen mal öfters.

Ich will so zeitnah als möglich vom Traden leben. Das ist mein Ziel. Ich weiss, dass ich Zeit brauche für meine Entwicklung. Erfahrungen. Bestätigungen. Und die notwendige Reife. Als langjährig Selbstständiger weiss ich um die Eigenverantwortung, habe hier immerhin mein Einkommen erwirtschaftet und Schulden abbezahlt. Und Qualitätsarbeit abzuliefern ist bei mir Standard. Ebenso, viel zu arbeiten, sich zu organisieren und einiges andere mehr. Jedoch: ich hab die oben beschriebene Macke!

Liegts an einem verloren gegangenen Verantwortungsbewusstsein? An der Erziehung? Negativen Glaubenssätzen? Faulheit? Abgestorbene Hirnbereiche? Vorzeitige Vergreisung? Abneigung gegen größeres Geld oder Geld von der Börse? Warnung vom Unterbewusstsein, die Finger vom Traden zu lassen? Spirituell falsches Bemühen? Nicht mein vorgegebener Lebensweg? Fehlende Religionszugehörigkeit? Ängste? Unsicherheit? Fehlender Mut? Angst vor dem Erfolg? Selbstbestrafung für was auch immer? Ausgleichende Gerechtigkeit ebenso für was auch immer? An den Gründen, die zur Entscheidung geführt haben, überhaupt zu Traden? Ich könnte bestimmt noch weitere Bereiche aufzählen, wenn ich drüber nachdenke...

An den Tagen, an denen ich im Einklang mit mir bin, mich an meine Regeln halte, an meinen Handelsplan und keine Fehler mache, da erlebe ich, wie einfach das Traden sein kann. Dann liege ich auch meistens im Plus, selten mal im Minus. Im Minus, muss ich zugeben, nagt es am Selbstwertgefühl, es fehlt an der Zufriedenheit, der Zuversicht. Selten kann ich diesen Tag genauso genießen wie einen Gewinntag. Ein Minus wieder ausgeglichen zu haben, fühlt sich gut an. Auch dann bin ich wieder mit mir und meiner Leistung im Reinen. Ein kleines Minus, zum Beispiel ein Verlusttrade, der sauber durchgeführt eben zu einem Minus geführt hat, ist auch kein Problem oder Thema. Auch dann kann ich lächeln und sagen: "Alles ist cool und in Balance - passt!".

Durch das oben beschriebene Problem jedoch ruiniere ich hin und wieder einen Tag. Zudem verschlechtere ich meine grundlegend positive Performance um größeres Geld. Und das führt zu Unzufriedenheit, wieder mehr Stunden vor den Monitoren, zu Disharmonie und letztendlich Stress. Genau das, was ich theoretisch vermeiden will.

Kennt Ihr das auch? Habt Ihr selbst so ein Problem (oder ein ähnliches) überwunden?


Ich denke gerade darüber nach, mir eines dieser beiden Bücher zu kaufen:
Tradingpsychologie - So denken und handeln die Profis: Spitzenperformance mit Mentaltraining
In diesem geht es, laut einer Rezension, auch um das Thema "Selbstsabotage".

Oder dieses hier:
Mentaltraining für den erfolgreichen Day-Trader: So steigern Sie Ihr Tradingergebnis
Dieses ist eben früher erschienen und daher auch bekannter. Sehr gute Kritiken.

So, das war es erst mal von meiner Seite. Ich danke Euch fürs Lesen!


Renkotrader

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Positiver Erwartungswert

Hallo Renkotrader,

danke für deinen Post und dazu, dass du versuchst deine Probleme zu isolieren und daran zu arbeiten. Wenn man das Biest beim Namen nennen kann, dann kann man es meist auch bändigen. Ich habe auch einiges zu diesem Thema gelesen und es gibt Bücher zu dem Thema die eine gewisse Daseinsberechtigung haben und wiederum andere die genau darauf zielen, den verunsicherten Trader noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich bin der Meinung, dass man relativ schnell den "Fire and Forget" Modus erreichen sollte und sich strikt an seinen Tradingplan halten muss. Wer das nicht innerhalb einer bestimmten Zeit schafft und bei wem beim Tradeentry das Herz bis zum Hals klopft, sollte es erstmal damit belassen.

Das zeugt nämlich davon, das man 1. keinen Handelsansatz mit einem bewiesenen positiven Erwartungswert hat oder 2. der Handelsansatz so gar nicht zu seiner Persönlichkeit passt. In beiden Fällen heißt das "Zurück zum Start". Um 1. nachzuweisen braucht man natürlich Erfahrung und viele Annahmen/Ergebnisse lösen sich früher oder später in Luft auf. Voraussetzung ist es auf jeden Fall, dass man die Regeln für die Entries und Exits und das Moneymanagement ausgearbeitet hat und diese zu jeden Zeitpunkt eindeutig angewendet werden können. Ein "lasse den Trade dann Laufen" ist zum Beispiel keine Exit Regel.

Mein emotionaler Anteil beim Traden beträgt 0.0, da ich auf meine Regeln vertraue und diese automatisiert laufen lasse. Es ist natürlich ein Vorteil, wenn man ein Handelssystem hat, welches viele Trades am Tag macht, um sich seiner statistischen Belastbarkeit sicher zu sein. Wer ein System hat, welches nur 1-2 Trades am Tag liefert, muss natürlich ein sehr erfolgreiches System haben, um ruhig schlafen zu können.

Zusammenfassend würde ich sagen, das das ganze Thema "Mentale Selbstkontrolle" darauf schließen lässt, dass sich die Trader ihres Systems nicht sicher sind. Es liegt also an einem selber, wie viel Aufwand man betreibt, um die Edge des eigenen Systems zu evaluieren. Wer dabei schummelt (kommt ja auch mal gerne vor) wird dann anschließend die "Mental" Ratgeber lesen, weil er wissen möchte wie er seine schweißnassen Hände bem Traden unter Kontrolle bekommt.

Koepisch

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Wir sind durch Erziehung und Lebenserfahrung ungünstig für's Trading programmiert. Was sich über Jahrzehnte entwickelte, kann man nicht so schnell ändern.
Nach dem Lesen einiger Bücher über Psychologie, sind mir gewisse Sachen bewusst. Aber trotzdem mache ich oft (etwas weniger oft) Fehler gegen besseres Wissen.
Einigen Schwächen kann man durch Programmschranken begegnen. Anderen durch ein Journal. Und immer wieder ein Buch oder einen Artikel in die Richtung lesen, um das präsent zu halten.

Steenbarger / The daily trading coach habe ich ständig auf dem Schreibtisch, da es aus 101 kurzen Lektionen in diese Richtung besteht. Da kann man als Ritual jeden Tag als Tradingvorbereitung eine Lektion lesen/wiederholen, zu einem gerade aktuellen Gebiet. Kommt jetzt dann auch eine deutsche Version raus.

Douglas / Der disziplinierte Trader ist ein Klassiker, der sich darum kümmert.

Der Grossteil der Bücher dazu ist nicht in deutsch erhältlich, was die Liste kurz macht.

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Hallo Traders!

Danke Euch für Eure Anregungen!

@Koepisch
Werde mich mit diesen beschäftigen.

Habe mir heute das erste Buch von meinen obigen Links bestellt.

@terratec
Die von Dir genannten stehen jetzt auf meinem Amazon-Wunschzettel. Eins nach dem anderen...

Habe heute meinen Wochen- und Monatsabschluss gemacht, bin soweit zufrieden, trotz meiner Fehler. Zufrieden in dem Sinne, dazugelernt zu haben, erfahren zu haben. Habe unter dem Thread "Ninjatrader" dazu was geschrieben. Erwähne das, weil die Resultate von psychologischer Seite stark beeinflusst werden, wenn man manuell handelt.

Sehr spannend das Ganze, muss ich schon sagen. Das Traden offenbart jede noch so kleine Schwäche oder Fehlhaltung. Hier gibts keine Faktoren, die so gut wirken, Schwächen und Fehlhaltungen zu überdecken/kompensieren. Das Konto verheimlicht nichts, jeder einzelne Trade auch nicht. Und jeder Bockmist, den man als Trader verzapft, ist im Nachhinein zu finden - auf die eine oder andere Art und Weise.

Wünsche Euch allen, dass Ihr mit Euren Ergebnissen und Eurer Leistung zufrieden seid!

Renkotrader

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Traden als Beruf

Hallo @Renkotrader

Danke für den Input hier.
Die Analogie Unternehmer versus Trader ist nicht falsch per se. Beide versuchen auf einem mehr oder weniger freien
Markt mit einzelnen Geschäften einen positiven Gewinn zu erwirtschaften. Bei beiden können sich die Bedingungen
des Marktes nach Beginn eines Geschäfts grundlegend ändern, was zu negativen Resultaten führen kann.
Ueber Wasser hält sich nur, wer über die Summe der Geschäfte sein Eigenkapital noch im Plus-Bereich hält.

Schauen wir mal ein wenig ins Detail:
Ein Trader hält sich an seinen Tradingplan und startet seinen Trade. Er beschliesst aber, den Stop enger zu setzen, als
es im Plan vorgesehen ist. Nach einigem "Noise" im Markt, wird sein Stop erreicht - der Trade endet mit Minus. Der
Trader startet seinen zweiten Trade und "muss" nun seinen Stop enger setzen, weil sein Tages-Maximum an Risiko
sonst schon ausgeschöpft ist. Es kommt, wie es kommen muss: der Stop wird geritzt und ein weiterer Verlust-Trade
beendet das Tages-Geschäft.
Analogie beim Unternehmer: Dieser beendet einen Auftrag auf halbem Weg, weil sich evt. die Einkaufs-, Liefer- oder
andere Bedingungen so stark verschlechtert haben, dass aus diesem Auftrag kein positives Resultat zu generieren ist. Nun kommen aber auf den Unternehmer verschiedene "Unkosten" hinzu, weil er den Vertrag nicht konform erfüllte. So
muss er evt. gelieferte Ware zurücknehmen, einen Aufpreis für einen anderen Erfüller decken, Strafzahlungen leisten
und vieler Unwägbarkeiten mehr. Diese Kosten können weit höher ausfallen, als den Vertrag doch noch zu Ende zu
führen, dafür eine Unterdeckung in Kauf zu nehmen. Diese Erkenntnis kommt bei einem Unternehmer erst durch
grosse Erfahrung!
Schliesslich ist es ja die SUMME der getätigten Aufträge, welche Ende des Jahres den verbleibenden und hoffentlich
positiven Ertrag ausmachen.

Kommen wir noch ein Mal zurück auf den Trader: der eingegangene Trade sollte wenn immer möglich nach dem
Tradingplan durchgeführt werden - die optimalen Ein- und Ausstiege sowie der SL - sind ja im Voraus optimiert worden.
Sollte sich der Markt nicht gemäss den Erwartungen entwickeln, ist es mE. besser, den Trade gemäss Plan zu beenden
als mit unbedachten Schnellschüssen das Tagesziel zu vermiesen.

Good Trades!
GFIs1

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Guten Morgen, GFIs1!

Danke auch Dir für diesen wertvollen Input. Dem kann ich nur zustimmen, wenn auch ich hier den monatlichen Output bisher favorisiere, denn als Unternehmer war ich stets auf den monatlichen Nutzwert angewiesen mangels entsprechender Kapitaldecke. Die Diskussion dazu hat Voigt mal in einem Video aufgegriffen im Sinne von "Jährliche Rendite vs. monatlichem Nutzwert (Entnahme)", wobei hier noch der Wiederbeschaffungsakt des Kapitals eine Rolle spielt. Doch das hat hier jetzt keine echte Relevanz zum Thema.

Dies Sattelfestigkeit, sich und seinem Plan treu zu bleiben - und das in allen Marktsituationen - ist ein hartes Stück Arbeit. Ich ziehe vor jedem Trader den Hut, der dort angekommen ist und im Tagesgeschäft wahrhaftig duplizierbar handelt. Diese Disziplin zeugt von wahrer Traderreife. Naja, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, man muss sich hier schon die Zeit geben, die man braucht. Also Geduld gepaart mit Hingabe.

Ich werde mich dieses Wochenende damit beschäftigen, alle Optimierungen zu spezifizieren, meinen Handelsplan anzupassen in seinem Gesamtregelwerk, um diesen dann durchgehend den ganzen Dezember mit Nachdruck/Härte zu mir selbst durchzuführen. Analyse dann am Monatsende. Wobei ich denke, dass maximal die drei ersten Dezemberwochen lohnenswert zu handeln sind, vielleicht auch nur die beiden ersten, doch das zeigt sich dann ja, wie sich das Volumen verändert.

Habe mir eben einen Zettel an den Monitor geklebt:
"Finger weg von den Stopps! - Verlusttrades gehören zum Spiel + Plan!"

Man muss ja mit allen Tricks und Kniffen schaffen, wenn man sein eigener Coach ist.

Einen schönen Samstag,
Renkotrader

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